Was sich hinter der Jagd nach dem „Perfekt sein“ verbirgt……..
24. Mai 2012
Es gibt sie, die Menschen die den Anschein machen immer alles perfekt unter Kontrolle zu haben. Im Job geben sie immer hundert Prozent und auch privat läuft immer alles bestens. Sie sind auf jeder angesagten Party anzutreffen, haben gut erzogene Kinder und viele Freunde. In Krisensituationen behalten sie selbst einen klaren Kopf, haben immer gute Ratschläge für ihr Umfeld, bewirten ihre Gäste mit komplizierten 4-Gang Menüs und haben obendrein dabei auch noch eine Menge Spaß. Vielleicht gehören Sie sogar selbst ein wenig zu den Menschen, die sich und der Umwelt immer wieder beweisen wollen bzw. müssen: „Ich habe alles fest im Griff und meistere jede Herausforderung mit Bravour“. Schwach sein dürfen und „Nein sagen“, Anforderungen und Aufgaben ablehnen gehört nun einmal nicht zu den favorisierten Persönlichkeitszügen unserer heutigen Gesellschaft. Woher kommt der ständige Drang alles perfekt meistern zu wollen? Wieso versuchen wir in möglichst vielen Lebensbereichen „perfekt“ zu sein?Eigene Grenzen werden gerne dabei übersehen und eine chronische Überanstrengung gehört fast schon unausweichlich zum Lebensalltag dazu. Häufig stecken hinter solchen Verhaltensweisen eingefahrene Lebensmuster. Aufgrund ähnlicher Erfahrungen, die sich im Lauf der Kindheit und des bisherigen Lebens wiederholt haben (oder die wir aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen in gleicher Weise interpretiert haben) stellten sich Denkweisen ein, die in spezifischen Reizsituationen immer wieder die gleichen Reaktionen auslösen. Hinter dem zwanghaften Bestreben „immer alles richtig zu machen“ könnten Erlebnisse in der Vergangenheit stehen, die der Person den Eindruck vermittelt habe, falsch gehandelt bzw. versagt zu haben! Um neue und ähnliche Erfahrungen dieser Art und deren unangenehme Konsequenzen zu vermeiden, stellen sich Verhaltensmuster ein, die einem zwanghaften Perfektionismus ähneln. Daran ist erstmal nichts Besorgniserregendes auszusetzen. Wer beklagt sich schon darüber, dass er einen „perfekten“ Partner, Freund oder Angestellten hat?
Was aber, wenn dieser Perfektionismus nicht über einen langen Zeitraum aufrecht zu erhalten ist? Ein Mensch ist nicht unentwegt leistungsfähig! Ständige Überforderung löst häufig Symptome eines Burnouts aus. Um dies zu vermeiden sollte man im Alltag immer wieder Pausen zur Selbstreflexion einlegen, in denen man für sich kritisch überprüft, ob die Balance zwischen Arbeit und Entspannung noch im Einklang ist. Eine gute Hilfestellung bietet das Bild einer Waage. Eine Waagschale stellt hierbei den Leistungsbereich dar, die andere Schale steht für Entspannungsmöglichkeiten. Oftmals stellt man bei dieser Übung fest, dass es im Alltag an Pausen und angenehmen Aktivitäten mangelt. Selbstfürsorge ist eine nötige Voraussetzung um auch auf Dauer leistungsfähig zu bleiben. Über einen kürzeren Zeitraum können zur effektiven Entlastung und Entspannung beispielsweise Meditationsübungen helfen. Sport, Autogenes Training oder auch Aktivitäten wie kochen und Gartenarbeit wirken für manche Menschen entspannend. Leider stellen immer mehr Menschen fest, dass sie nicht mehr abschalten können. Sie neigen dazu immer wieder sich selbst zu überfordern und für andere aufzuopfern. Für diese Menschen wäre es ratsam, Hilfe und Unterstützung zu suchen um die oben beschriebenen eingefahrenen Lebensmuster kritisch zu analysieren und ggf. neue Verhaltensweisen zu erlernen.
Quellen:
Küchenhoff, J (1999). Selbstzerstörung und Selbstfürsorge. Psychosozial-Verlag, Gießen.
Märtin, D (2011). Gut ist besser als perfekt - Die Kunst, sich das Leben leichter zu machen. dtv Verlag, München.
Jacob, G, Potreck-Rose, F (2010). Selbstzuwendung, Selbstakzeptanz, Selbstvertrauen. Psychotherapeutische Interventionen zum Aufbau von Selbstwertgefühl. Klett-Cotta, Stuttgart.
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http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/nvl-005.html

