Homing – das wiederentdeckte Bedürfnis nach Rückzug

27. März 2012

 

„Das Haus ist eine Arche, um der Flut zu entrinnen“. Mit diesem Zitat von Katherine Mansfield ist der Kern des „Homing“-Trends wohl ganz gut getroffen. „Homing“ bezeichnet den Wunsch nach schönem Wohnen, nach Behaglichkeit, Gemütlichkeit, Wärme und Harmonie in den eigenen vier Wänden. In den letzten Jahren hat sich dieses Bedürfnis in der Gesellschaft verstärkt. Bereits 2009 sprachen Trendforscher von dem wieder entdeckten Glück sich zuhause einen sicheren, schönen Rückzugsort zu schaffen. Die Menschen sehnen sich in der heutigen schnelllebigen und unsicheren (Berufs-)Welt wieder nach einem Rückzugsort, an dem sie sich vollkommen wohl und sicher fühlen können. „My home is my castle“ -und so ist es nicht verwunderlich, dass der schwerverdiente Lohn bereitwillig in die Einrichtung und Ausgestaltung des Heimes fließt.Zuhause sein bedeutet jedoch für den modernen Verbraucher auch sich mit den eigenen vier Wänden identifizieren zu können. So vereint der Trend des „Homing“  den Wunsch nach einem harmonischen Zuhause, das Entspannung verspricht mit der Idee durch die Ausgestaltung der eigenen Wohnung auch etwas über sich selbst und seine Individualität, seine Persönlichkeit und nicht zuletzt seine ökonomischen Verhältnisse auszusagen. Wer heutzutage zeigen will was er hat, investiert in sein Zuhause. Das Bad ist längst über seine reine Funktion als Nasszelle hinaus gewachsen. Eine Wellnessoase sollte es schon sein, die man den Freunden und Bekannten dann gerne vorführen möchte. Dies unterscheidet das „Homing“ von dem vor einigen Jahren noch zu beobachtende „Cocooning“, bei dem der Fokus auf dem Einigeln in den vier Wänden lag. Heute lädt man wieder gerne zu sich ein, veranstaltet Kochabende oder richtet die Dachterrasse für ein stilvolles Barbecue her.

Doch woher kommt diese Bereitschaft viel Mühe und Zeit in die Herrichtung des eigenen Heimes zu investieren? Beruflich hat man sich etabliert und muss sich und vor allem den Freunden nichts mehr beweisen. Da bietet es sich geradezu an, durch aufwendige Verschönerungsmaßnahmen und „Do-it-yourself“-Aktionen zu zeigen, welche Künste noch so alles in einem schlummern. Ist die Woche im Büro endlich geschafft, gibt es am Wochenende doch nichts Schöneres als sich über lobende Worte, Anerkennung und Respekt seiner Gäste zu freuen, die sich wieder einmal sichtlich wohl fühlen. Vielleicht ist das der Grund, weshalb der Trend des „Homing“ weiterhin so angesagt ist. Obwohl Marktforschungsinstitute bereits Ende 2010 das aus dieser Entwicklung prognostizierten, boomt der Markt nach wie vor von „Wir machen es uns schön“-Ideen. Ein sicherer, schöner Rückzugsort, an dem man seinen schwerverdienten Feierabend zelebrieren kann und darüber hinaus auch noch mit der Anerkennung durch seine Umwelt das Selbstwertgefühl pushen kann- was will man mehr?

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