Stress im Jugendalter?
7. Februar 2012Stress: für Erwachsene der tägliche Begleiter im Alltag. Die Stressauslöser der heutigen Gesellschaft lassen sich unter anderem in folgende Bereiche einordnen:
1. Körperliche Belastungen wie Lärm, Kälte, Hitze, Überarbeitung, Hunger, Verletzungen, Krankheiten, Überanstrengung.
2. Psychische Verursacher wie Angst, Schreck, Leid oder Unsicherheit (z. B. in der Schule).
3. Sogenannte soziale Auslöser wie Armut, Einsamkeit, Arbeitslosigkeit, Probleme in Schule/Beruf oder in der Familie.
4. Künstliche Stressfaktoren wie Reizüberflutung durch die Medien, Anforderungen durch die Technik, Drogen, Medikamente, Konsumzwang, Geschwindigkeitsrausch usw.
Solange man sich zwischen den einzelnen Stresssituationen ausreichend erholen kann, ist Stress nicht schädlich. Wir brauchen sogar ein bestimmtes Maß an Reizen, um widerstandsfähig zu bleiben. Diese positive Art Stress, die auch zu Höchstleistungen anspornen kann, heißt Eustress. Treten Stressoren jedoch gehäuft auf, bleibt keine Zeit für die notwendige Regeneration. In diesem Fall wirkt sich der sogenannte Dystress negativ auf Körper und Psyche aus. Wie viele Studien in den letzten Jahren gezeigt haben, wirken zahlreiche der oben aufgeführten Stressoren bereits im Jugendalter auf die Heranwachsenden ein.
Der Lebensabschnitt der Jugendlichen birgt zudem spezielle Entwicklungsaufgaben, denen sich die jungen Erwachsenen stellen müssen. Als wichtige Entwicklungsaufgaben in der Jugendphase gelten nach Stangl (2006):
- Neue und reifere Beziehungen zu Gleichaltrigen beiderlei Geschlechts aufbauen,
- Übernahme der entsprechenden Geschlechtsrolle,
- Akzeptieren und Annehmen der körperlichen Entwicklungsschritte,
- Räumliche und emotionale Ablösung von den Eltern und zunehmende Selbstständigkeit,
- Vorbereitung auf Partnerschaft, Ehe und Familienleben,
- Vorbereitung des beruflichen Werdegangs,
- Entwicklung einer Ideologie mit eigenen Werten und Normen.
Neben den ganz alltäglichen Anforderungen des Alltags, zu denen Probleme wie beispielsweise der alltägliche Termindruck, Konflikte in der Familie und Streit mit Freunden gehören, kommen gerade in unserer sehr stark leistungsorientierten Zeit regelrechte Existenzängste hinzu. Es wird für Heranwachsende immer schwieriger den gesellschaftlichen, schulischen und beruflichen Anforderungen zu entsprechen. Um den Erwartungen und Herausforderungen gerecht zu werden, müssen Jugendliche schon in dieser frühen Lebensphase ihr Leistungsvermögen und ihre Leistungsbereitschaft unter Beweis stellen. Zukunftsängste, die sich in Form von Leistungsängsten bemerkbar machen, kennt heutzutage fast jeder Schüler. Angst vor Prüfungen und schlechten Noten, Panik keinen guten Schulabschluss machen zu können – das sind Ängste, die in unserer Gesellschaft überaus verständlich sind und daher auch von Eltern und Lehrern immer wieder getriggert werden. Die meisten Jugendlichen entwickeln die nötigen Strategien, um mit den widersprüchlichen Anforderungen erfolgreich fertig zu werden. Etwa jeder fünfte aber ist damit mindestens zeitweise überfordert. Das kann zu depressivem, aggressivem oder auch zu Suchtverhalten führen. Nach einer neuen Studie, die die Leuphana Universität Lüneburg im Auftrag der DAK an 25 Schulen in sieben Bundesländern durchgeführt hat leidet fast jeder dritte Schüler unter depressiven Stimmungen. Die meisten Betroffenen finden sich unter den Haupt- und Realschulen. Die Befragung der fast 6.000 Jungen und Mädchen zwischen elf und 18 Jahren ergab als Hauptursachen für die Probleme der Jugendlichen Schulstress und Leistungsdruck. Schwierig ist vor allem, wie die Betroffenen mit ihren Problemen umgehen. „Mehr als doppelt so viele Jungen und Mädchen mit depressiven Stimmungen (37 Prozent) gehen Problemen lieber aus dem Weg, anstatt sie aktiv zu lösen – gegenüber 18 Prozent der Befragten ohne depressive Stimmungen.” Dass diese Vermeidung jedoch zur Stabilisierung der psychischen Probleme beitragen kann, verschärft die Lage jedoch zusätzlich. Wer dagegen früh lernt, mit Stresssituationen konstruktiv umzugehen und wer Unterstützung durch die Familie, Freunde und Schule erfährt, kommt mit dem Stress im Jugendalter besser klar.
Quellen:
Beyer A., Lohaus A. (2001), Stresserleben, Beanspruchungssymptomatik und Bewältigungsressourcen bei Schülern weiterführender Schulen, Studienbericht für die Techniker Krankenkasse.
Heinzlmaier B. (2007), Jugend unter Druck, e-Paper 2007, www.jugendkultur.at
Hurrelmann K., Albert M., Arbeitsgemeinschaft Infratest (2006): Jugend 2006. 15. Shell Jugendstudie. Frankfurt.
Hurrelmann K. (2003), Schwindende Kindheit - Expandierende Jugendzeit. Vortrag bei der Dr. Margit Egnér Stiftung in Zürich.
Lohaus A., Beyer A., Klein-Heßling J. (2004). Stresserleben und Stresssymptomatik bei Kindern und Jugendlichen. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 36, 38-46.
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