Gibt es ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung) auch noch im Erwachsenenalter?
13. Januar 2012Lange Zeit wurde die Auffassung vertreten, dass ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung) ein Kindheitsphänomen ist. Heute wissen wir, dass ADHS bei mindestens einem Drittel der ADHS-Kinder auch im Erwachsenenalter fortbesteht und als „krankheitsrelevant“ bezeichnet werden kann. Die Symptome verändern sich im Laufe des Lebens deutlich. Im Kindesalter zeigen sich die Patienten hypermotorisch, impulsiv und leiden unter Aufmerksamkeitsproblemen. Bei vielen Jugendlichen und Erwachsenen geht das impulsive und hypermotorische Verhalten häufig zurück. Innere Unruhe, Unaufmerksamkeit, emotionale Labilität bleiben indes bestehen.
Im Erwachsenenalter erfordert der Alltag von Menschen zunehmend Selbständigkeit und planvolles Handeln. Gerade ADHS-Patienten zeigen in der Planung, Selbstdisziplin und in der Verlässlichkeit Defizite auf, weswegen Sie im alltäglichen Leben häufig überfordert sind. Selbstwertprobleme, Konflikte mit Kollegen, Partnern und Freunden sind häufig die Folge.
Wie kann erwachsenen Patienten mit ADHS geholfen werden? Die deutschen und internationalen Leitlinien empfehlen eine multimodale Therapie, d.h. eine Kombination aus medikamentöser Behandlung und Psychotherapie (Verhaltenstherapie). Als Medikament der ersten Wahl wird der Wirkstoff Methylphenidat (MPH) angesehen (z. B. Präparate wie Ritalin, Concerta, Equasym, Medikinet), da in mehreren kontrollierten Studien eine Reduktion der Kernsymptomatik auch bei Erwachsenen festgestellt werden konnte (Philipsen et al., 2008). Seit April 2011 erteilte das Bundesinstitut für Arnzneimittel und Medizinprodukte dem Methylphenidat-Präparat „Medikinet adult“ eine Zulassung, so dass nun auch Erwachsene die Kosten – zumindest für dieses Präparat – erstattet bekommen. MPH hilft vielen Patienten ihre innere Unruhe zu reduzieren, die Probleme im Beruf sowie mit Freunden werden durch das Medikament allerdings nicht behoben. Aus diesem Grund sollten Betroffene neben der medikamentösen Behandlung eine Verhaltenstherapie durchführen. Die Patienten lernen hier z. B. ihre Impulse zu kontrollieren, Handlungen sinnvoll zu planen und stressreiche Situationen zu meistern. Neben einer verhaltenstherapeutischen Behandlung haben sich Selbsthilfegruppen als effizient erwiesen (Scharnholz et al., 2011). Die Patienten merken hier, dass sie nicht als einziger unter den Symptomen leiden, die auch ähnliche Alltagsprobleme nach sich ziehen. Nur wer sich regelmäßig mit seinen Problemen auseinandersetzt, kann diese verringern.
Quellen:
Philipsen A. (2008), Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung im Erwachsenenalter: Diagnostik, Ätiologie und Therapie. Deutsche Ärzteblatt, 105, 311-317.
Scharnholz B, Sobanski E, Alm B (2011). Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter: Aktuelles zur Psychotherapie. Psychotherapie im Dialog 3, 193-8.
Lesen Sie mehr unter >
http://www.start-psychotherapie.de/index.php

